Liebe Eltern,
die Eingewöhnung stellt Sie als Familie vor einige Herausforderungen. Jeder von Ihnen erlebt diese aufregende Zeit mit unterschiedlichen Gefühlen, Erwartungen und Bedürfnissen. Bis jetzt haben hauptsächlich Sie als Eltern für das Wohl Ihres Kindes gesorgt und viele vertraute Momente haben diese intensive Zeit geprägt: von der Schwangerschaft, bis zur Geburt Ihres Kindes und die erste Zeit danach, in der es darum ging, sich als Familie kennenzulernen und in die neue Rolle als Mutter oder Vater hineinzufinden. Dies haben Sie geschafft!
Jetzt stehen Sie vor dem nächsten großen Schritt: die Eingewöhnung Ihres Kindes in eine außerfamiliäre Betreuung. Nach einer intensiven gemeinsamen Zeit werde nun auch ich eine wichtige Rolle im Leben Ihres Kindes spielen, auch wenn Sie weiterhin die Hauptbezugsperson für Ihr Kind bleiben werden. Mir ist bewusst, dass diese Zeit für Sie als Eltern mit ambivalenten Gefühlen verbunden sein kann. Auch Sie als Eltern benötigen eine professionelle, empathische Begleitung während der Eingewöhnung, um Sicherheit und Vertrauen zur mir der pädagogischen Fachkraft Ihres Kindes aufbauen zu können.
Das Partizipatorische Eingewöhnungsmodell bietet Ihnen und Ihrem Kind einen Raum, in dem Sie mit Ihren Bedürfnissen und Wünschen gesehen, gehört und aktiv eingebunden werden. Die folgende detaillierte Erläuterung möchte Ihnen so viele Fragen wie möglich beantworten und Ihnen helfen, sich in diesem Prozess wohl und sicher zu fühlen. Wenden Sie sich mit Ihren eventuell noch offenen Fragen jederzeit an mich.
Warum müssen Kinder eingewöhnt werden?
In der ersten Zeit mit Ihrem Kind haben Sie als Eltern hauptsächlich allein für die Bedürfnisse Ihres Kindes gesorgt. Ihr Kind kennt Ihre familiären Strukturen daher sehr gut und als Familie sind Sie ein eingespieltes unschlagbares Team. In der Betreuungseinrichtung begegnet Ihr Kind neuen Alltagsstrukturen und Räumlichkeiten, die zu neuen spannenden Erfahrungen einladen. Es lernt neue Menschen kennen, die nun auch seine alltäglichen Bedürfnisse stillen werden; sei es das Begleiten von Mahlzeiten, das Wickeln oder das Schlafenlegen. Jedes Kind erlebt in seiner eigenen Familie individuelle Rituale und Umgangsweisen mit Alltagsmomenten, die dazu kulturspezifisch sein können. Auch die Einrichtung hat ihre ganz eigenen Rituale, die für das Kind vielleicht neu sind. Es geht um ein gegenseitiges Kennenlernen in dieser Zeit: Ich möchten Sie als Familie kennenlernen und Sie müssen mich kennenlernen. Ihr Kind wird täglich viele neue Eindrücke sammeln. Es wird etwas Zeit benötigen, um all das Neue kennenzulernen und einordnen zu können und dabei Sicherheit und Vertrauen aufzubauen.
Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass Kinder einen sanften Übergang brauchen, um diese Schritte gut zu bewältigen. Es wurde auch deutlich, dass Kinder bei diesem Übergang eine enge Bezugsperson als sicheren Hafen brauchen, bis sie die neuen Alltagsstrukturen verinnerlicht und Vertrauen zu den neuen Menschen aufbaut haben; dies benötigt Zeit und geht nicht von heute auf morgen. Planen Sie vier bis sechs Wochen für eine Partizipatorische Eingewöhnung ein, um eine Stressüberflutung bei Ihrem Kind (und vielleicht auch bei Ihnenselbst) zu vermeiden. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass jedes Kind eine Eingewöhnung benötigt, egal ob es sich während der Eingewöhnung eher anhänglich zeigt oder den Anschein macht, Sie gar nicht zu brauchen.
Nehmen Sie sich Zeit für diesen wichtigen Schritt in der kindlichen Entwicklung! Eine zu schnelle Eingewöhnung, in der das Kind keine gute Beziehung zu mir aufbauen kann, oder in der die Signale des Kindes oder ihre eigenen nicht ausreichend wahrgenommen werden, kann hohen Stress für Kinder auslösen, der für ihre Entwicklung schädlich sein kann. Nehmen Sie sich Zeit für diese neue Lebensphase, um einen fließenden Übergang zuermöglichen.
Welche Rolle übernehmen Sie als Eltern?
sichaktiv am Eingewöhnungsprozess beteiligen und mitgestalten
sichIhrem Kind gegenüber wie gewohnt verhalten und dementsprechend aufdie kindlichen Signale reagieren
fürdas Kind ein „sicherer Hafen“ sein
sichselbst als Elternteil mit seinen Gedanken und Gefühlen ernstnehmen und diese gern benennen
sichStück für Stück zurückziehen, um den Beziehungsaufbau zur mirihrer pädagogischen Fachkraft zuzulassen
Die Phasen der Partizipatorischen Eingewöhnung aus Elternsicht
1.Phase: Informieren und die Eingewöhnung vorbereiten
Lernen Sie die Betreuungseinrichtung kennen!
In einem Gespräch dürfen Sie gern alle Fragen stellen, die Ihnen hinsichtlich der Einrichtung, der Alltagsstrukturen, derpädagogischen Arbeit und der Eingewöhnung wichtig sind. Darüberhinaus erwartet Sie ein offenes Ohr für Ihre Wünsche, Erwartungenund Befürchtungen bezüglich der Eingewöhnung und der Einrichtung selbst. Im Partizipatorischen Eingewöhnungsmodell sind eine offene Gesprächskultur und ein wertschätzender Umgang miteinander Grundlage für den Beziehungsaufbau.
Damit Verhaltensweisen Ihres Kindes und vielleicht auch von Ihnen während der Eingewöhnungszeit und darüber hinaus für mich besser zu verstehen sind, ist es sehr hilfreich, wenn Sie über die Interessen, Vorlieben und Abneigungen Ihres Kindes sprechen. Dabei können auch Einblicke in die Schwangerschaft, die Geburt oder das erste Lebensjahr Ihres Kindes von Bedeutung sein. Sowohl positive Erlebnisse wie auch schwierige Ereignisse und Besonderheiten erhalten hier ihren Raum. Je mehr ich an Ihrer Eltern-Kind-Geschichte teilhaben darf, desto besser und individueller kann ich auf Sie und Ihr Kindeingehen.
2.Phase: Ankommen in der Einrichtung
Nehmen Sie sich mit Ihrem Kind die Zeit, die Sie benötigen, um den noch fremden Ort zu einem vertrauten Ort zu machen. Sprechen Sie gern jederzeit mit mir, wenn Sie Unterstützung benötigen. Ein zentraler Aspekt dieser Phase ist, dass Sie und Ihr Kind alles in Ruhe kennenlernen dürfen und dadurch Sicherheit gewinnen. Nehmen Sie sich Zeit, die Alltagsstrukturen und die Kinder und mich kennen zulernen. Ihrer Anwesenheit als Elternteil wird eine bedeutende Rolle zugeschrieben, da Sie als Experte*in für Ihr Kind mir wichtige Informationen geben können und Ihr Kind Sie als sicheren Hafen benötigt, um diese neuen und herausfordernden Erlebnisse einordnen und meistern zu können. Vertrauen Sie Ihrem Kind, dass es sich die Sicherheit, die es von Ihnen benötigt, holen wird. Achten Sie auf die Signale Ihres Kindes und reagieren Sie feinfühlig darauf. Ihr Kind benötigt Sie, um diesen unbekannten Ort zu einem vertrauten Ort werden zu lassen. Durch Ihre Anwesenheit wird es sich trauen, seinen natürlichen Erkundungsdrang auszuleben. Eine vertraute familiäre Begleitung spielt hierbei eine wichtige Rolle. Dies bedeutet auch, dass Sie in der allerersten Zeit dafür da sind, die Bedürfnisse Ihres Kindes zu stillen, so wie es dies von zu Hause gewohnt ist, z.B. füttern, wickeln, trösten und mitgehen, um etwas Neues kennenzulernen. Ich werde Sie gern dabei begleiten und mit Ihnen stets in einem engen, persönlichen Austausch stehen, aber in dieser Phase sind vor allem Sie Ansprechpartner*in Ihres Kindes.
Scheuen Sie sich nicht davor, Ihre Fragen, Gedanken und Empfindungen mitzuteilen. Grundsätzlich gilt: Wenn Sie bspw. merken, dass IhrKind müde wird, können Sie mir dies der mitteilen und gemeinsam überlegen wir, ob es sinnvoll ist, den Eingewöhnungstag an dieser Stelle zu beenden. Sorgen Sie für sich und Ihr Kind. Die 2. Phase dauert in etwa eine Woche. Da aber jede Eingewöhnung individuell verläuft, dient diese Zeitangabe lediglich der Orientierung.
3.Phase: In Kontakt gehen
Den Übergang zu dieser Phase werden Sie wahrscheinlich als fließend erleben. Kinder, die sehr offen sind, durchleben die 2. und 3. Phase fast zeitgleich. In der 3. Phase wird Ihr Kind immer öfter auf Kontaktangebote meinerseits oder der anderen Kinder eingehen und gleichzeitig Sie als Rückversicherung benötigen. Dieses Sicherheitsbedürfnis des Kindes sollten Sie stets stillen und es in dieser Phase begleiten. Wenn Ihr Kind Ihr Wohlwollen und Einverständnis spürt, kann es sich besser auf die neuen Kontakte einlassen. Es kann auch sein, dass Ihr Kind selbst aktiv Kontaktversuche zu mir oder den anderen Kindern unternimmt. Da jede Eingewöhnung individuell verläuft, bedarf es auch einer individuellen und flexiblen Zeitplanung. Den Erfahrungswerten nach findet der Übergang zur 3. Phase meist ab Mitte/Ende der ersten Eingewöhnungswoche statt; er kann aber auch später erfolgen.
4.Phase: Beziehungen aufbauen
Ihr Kind wird nun vermutlich mehr Kontakt zu mir aufnehmen und offen dafür sein. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie damit einverstanden sind, und bestätigen Sie es darin, die Kontaktversuche anzunehmen. Falls Sie jedoch diesbezüglich ein ungutes Gefühl haben oder merken, dass Ihr Kind keinen Kontakt zur pädagogischen Fachkraft aufnehmen möchte, sprechen Sie mich gern an, damit Unstimmigkeiten geklärt werden können.
Nun ist es an der Zeit, dass ich Stück für Stück mehr für das Kind zuständig werde und nicht mehr nur Spielangebote mache, sondern auch Pflegeaufgaben wie Hände waschen, Anziehen oder das Begleiten beim Essen übernehmen darf. Es ist wichtig, dass Ihr Kind das Tempo dieser Schritte mitgestalten kann. Deshalb ist auch hier ein täglicher Austausch hinsichtlich der Signale Ihres Kindes wichtig. Geben Sie mir gern Hinweise, wie der Beziehungsaufbau besser gelingen kann. Umgekehrt werde ich vielleicht auch Ihnen Hinweise geben, um Sie in diesem ersten Loslösungsprozess zu unterstützen und der neuen Beziehung zwischen ihrem Kind und mir Raum zu geben. Meist steht der Beziehungsaufbau in der zweiten Eingewöhnungswoche im Fokus; manche Kinder beginnen schon früher damit, andere brauchen etwas länger dafür.
In dieser Phase können sich auch biografische Erfahrungen aus der Zeitvor der Eingewöhnung zeigen, wenn es bspw. Ihrem Kind schwerfällt in Kontakt zu gehen, oder aber es Ihnen schwerfällt den Kontakt zu mir gut zuzulassen.
Es ist mir bewusst, dass auch bei Ihnen als Eltern in dieser Zeit Unsicherheiten und ambivalente Gefühle ausgelöst werden können. Sprechen Sie über Ihre Gefühle; es hilft allen Beteiligten (auch Ihrem Kind) die aktuelle Situation besser zu verstehen. Gemeinsam werden wir überlegen, wie solche Gespräche am besten stattfinden können. Manchmal vereinbare ich Telefongespräche am Nachmittag oder Abend, oder wir verabreden uns für ein Gespräch ohne Kind in der Einrichtung, wenn sich dies einrichten lässt, ich kann aber auch zu ihnen kommen. Melden Sie Gesprächsbedarf zeitnah an; vieles kann sicher auch direkt vor Ort geklärt werden.
Wenn sich eine Beziehung zu mir Stück für Stück aufbauen konnte, wird ein fließender Übergang in die nächste Phase erfolgen. Wenn der Prozess an dieser Stelle stockt, muss zunächst geklärt werden, was noch aus dem Weg geräumt werden sollte, damit der Beziehungsaufbau gelingen kann. Am erfolgversprechendsten ist es, wenn wir uns gemeinsam auf den Weg machen, die Ursache zu finden und alle Beteiligten offen für Selbstreflexion sind.
5.Phase: Sich in der Einrichtung wohlfühlen
Wenn Sie mit Ihrem Kind morgens in die Einrichtung kommen und Sie sehen, dass Ihr Kind freudig die Einrichtung betritt, mich und die anderen Kinder begrüßt, Blickkontakt und vielleicht sogar schon Körperkontakt zu mir aufnimmt, sich eventuell bereits auf eine bestimmte Sache freut und diese zielsicher ansteuert, dann signalisiert es Ihnen: „Ich fühle mich hier wohl.“ In dieser Phase reagiert Ihr Kind nicht nur auf mich, sondern nimmt auch von sich aus immer wieder Kontakt zu mir auf, um mir z.B. etwas zu zeigen oder mit mir gemeinsam irgendwohin zu gehen. Ihr Kind hat nun einen guten Kontakt zu mir. Es orientiert sich auch an den anderen Kindern und zeigt Interesse an bestimmten Kindern oder deren Spielprozessen. Ihr Kind schaut in dieser Phase nicht mehr so oft nach Ihnen, wenn es dies in den ersten Phasen getan hat. Es ist vertieft in sein Tun und scheint sich dabei wohlzufühlen. Sie können sich immer mehr zurückhalten, während ich immer mehr für Ihr Kind da sein kann. Es wird jetzt auch wichtig, dass Sie mir den Vortritt lassen, um die Beziehung zu Ihrem Kind auszubauen. Vielleicht können Sie sich einen Tee oder Kaffee aus der Küche holen, oder sie suchen einmal das WC auf – Sie sagen Ihrem Kind natürlich Bescheid, dass Sie das tun, und schauen, ob es damit einverstanden ist. Es geht hier noch nicht um eine richtige Trennung, sondern darum, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sicher sich Ihr Kind in der Gruppe mit mir fühlt.
6.Phase: Bereit für den Abschied
Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Einrichtung für Sie und Ihr Kind zu einem sicheren, vertrauten Ort geworden ist, wird es Zeit, über die ersten Trennungsversuche nachzudenken.
Folgende Entscheidungskriterien können Ihnen helfen, dies einzuschätzen:
Ihr Kind erkundet die nähere Umwelt auch ohne Sie. Es versichert sich nicht permanent durch Blicke, Zurücklaufen oder Rufen, dass Sie noch da sind.
Ihr Kind verhält sich in der Tagespflege so, wie Sie es von zu Hause gewohnt sind. Es zeigt seine Gefühle und bringt sie so zum Ausdruck, wie es dies auch zu Hause tut.
Ihr Kind ist in gutem Kontakt mit mir,spielt gern mit mir,geht mit mirHände waschen und lässt sich von ihr versorgen, z.B. nimmtes einen Snack an.
Ihr Kind kommuniziert mit mir und anderen Kindern: Es benutzt Laute, Mimik, Gestik oder Sprachein sozialen Situationen zur Kontaktaufnahme oder zur Fortsetzung der Interaktion mit Personen in der Gruppe.
Ihr Kind verhält sich responsiv; das bedeutet, es horcht auf, wenn es angesprochen wird, hört zu, wenn mit ihm gesprochen wird, reagiert auf Aktivitäten meinerseits, schaut mich an und/oder wendet den Kopf in meine Richtung.
Ihr Kind zeigt zielgerichtete Aktivitäten; es erkundet oder spielt. Es hat eine gewisse Ausdauer bei einigen Aktivitäten, interessiert sich für Gegenstände und probiert sich aus. Die Augen bleiben beider eigenen Aktivität und streifen nicht suchend umher.
Wenn Ihr Kind etwas benötigt, lässt es sich auch von mir helfen oder es lässt sich trösten, wenn es sich erschreckt oder weh tut. Es gibt Kinder, die in solchen Situationen, trotz eines Beziehungsaufbaus zur pädagogischen Fachkraft, weiterhin bevorzugt die Mama oder den Papa als sicheren Hafen aufsuchen, solange diese in der Nähe sind. Wenn dies bei Ihrem Kind der Fall ist, ist es wichtig zu beobachten, ob es dann, wenn Sie als Elternteil nicht mehr zur Verfügung stehen, mich als sicheren Hafen akzeptiert und sich auch von mir trösten lässt. Meist ist dies der Fall, wenn dem Beziehungsaufbau genügend Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Wenn Sie mehrere dieser Dinge beobachten können und auch selbst das Gefühl haben, dass Sie so viel Vertrauen in mich aufbauen konnten, dass Sie Ihr Kind nun mit einem guten Gefühl bei mir lassen können, können Sie gemeinsam mit mir überlegen, wie Sie den ersten kurzen Trennungsversuch von ca. 5–10Minuten gestalten möchten.
Wenn Sie spüren, dass Sie für eine Trennung noch nicht bereit sind, ist es wichtig, mir dies mitzuteilen. Reflektieren Sie auch, woran dies liegen könnte. Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Kind noch nicht soweit ist? Oder fühlen Sie sich selbst mit dem Gedanken unwohl, Ihr Kind das erste Mal „allein“ zu lassen? Die erste Trennung sollte erst dann vollzogen werden, wenn sowohl Ihr Kind (durch seinVerhalten) als auch Sie Ihr Einverständnis geben.
Gerade jetzt sind regelmäßige Gespräche über Ihre Gefühle, Wünsche und Sorgen wichtig. Ich als ihre Fachkraft werde diese ernst nehmen. Scheuen Sie sich nicht davor, dies offen mitzuteilen, auch wenn es Ihnen schwerfallen sollte.
Sollten alle Beteiligten der Trennung zustimmen, kann die erste Trennung für ca. 5–10 Minuten stattfinden. Sie können sicher sein, dass ich Sie sofort zurückrufen werde, wenn ich merke, dass es Ihrem Kind mit der Trennung nicht gut gehen sollte. Dies kann sich äußern, in dem sich Ihr Kind als nicht zu trösten zeigt oder aber sich still zurückzieht. Wenn Ihr Kind gut mit der Trennungssituation umgehen konnte, kann diese in den nächsten Tagen wiederholt werden und die Trennungsdauer Stück für Stück im Tempo Ihres Kindes verlängert werden. Da Ihr Kind alle Phasen aus dem neuen Alltag der Einrichtung bereits kennt, wird es schon bald den Vormittag in der Betreuungseinrichtung verbringen können.
Beobachten Sie Ihr Kind auch zu Hause. Es kann sein, dass Ihr Kind nun zu Hause anhänglicher wird und die Nähe zu Ihnen nachholen möchte, die es während der Betreuungszeit nicht mehr hat. Geben Sie Ihrem Kind diese Nähe. Manche Kinder möchten wieder mehr getragen oder sogar gestillt werden. Die vielen neuen Erfahrungen möchten erst verarbeitet werden; vielleicht bemerken Sie dies auch im Schlafverhalten Ihres Kindes. Sprechen Sie gern mit mir über Ihre Beobachtungen, insbesondere wenn die Verhaltensweisen Ihres Kindes Ihnen Sorge bereiten. Falls Ihr Kind überfordert zu sein scheint, ist es wichtig die Option zu haben, einen Schritt zurückzugehen oder den Eingewöhnungsprozess zu verlangsamen.
Wie können Sie erkennen, ob die Eingewöhnung als gelungen angesehen werden kann?
Sie möchten natürlich sicher sein, dass Ihr Kind nun gut eingewöhnt ist und Sie beruhigt gehen können. Beobachten Sie Ihr Kind. Nehmen Sie das Ausbleiben von Weinen oder Unmutsäußerungen nicht als alleiniges Kriterium für eine gelungene Eingewöhnung. Manche Kinder zeigen ihr Unwohlsein auf andere Art und Weise und "leiden" eher still. Folgende Merkmale können Ihnen helfen zu erkennen, ob die Eingewöhnung Ihres Kindes gelungen ist:
„Eingewöhnungin die Kinderkrippe kann als gelungen angesehen werden, wennKleinkinder in den Situationen der Trennung und des Getrenntseinsvon ihren primären Bezugspersonen nur mehr in geringem Ausmaß mitnegativen Gefühlen zu kämpfen haben und wenn es ihnen zugleichgelingt, den neuen Erfahrungsraum Kinderkrippe als angenehm oder garlustvoll zu erleben“ (ebd., S.24).
„Eingewöhnungkann als gelungen angesehen werden, wenn die Kinder den Menschen undGegenständen, die sie in der Einrichtung vorfinden, Interesseentgegenbringen und damit befasst sind, das, was sie in der Krippevorfinden, konzentriert wahrzunehmen, mitzuverfolgen, zu verstehenund explorierend zu erkunden“ (ebd., S.25).
„Eingewöhnungkann dann als gelungen angesehen werden, wenn es Kleinkinderngelingt, mit anderen Kindern und Erwachsenen in dynamische sozialeAustauschprozesse zu treten“ (ebd.).
7.Phase: Die Einrichtung wird zum Alltag
Wenn Sie und ich beobachten können, dass sich Ihr Kind aktiv am Alltags- und Spielgeschehen beteiligt, die Verabschiedung harmonisch verläuft und es sich sichtlich wohlfühlt, dann können die Zeiten nach und nach ausgebaut werden, in denen Ihr Kind in der Einrichtung verbleibt. Auch jetzt stehe ich mit ihnen in einem engen persönlichen Austausch und bespreche alle Einzelheiten mit ihnen, damit Sie Ihr Kind mit einem guten Gefühl für die vereinbarte Zeit in der Einrichtung lassen können.
7.00Uhr - 16.00Uhr